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Ausnahmezustand Isolation

Tina Reinhardt

Ausnahmezustand Isolation

Isolation. Für viele bedeutet dieses Wort nichts Gutes. Für die meisten Menschen stellt bereits das fehlende Smartphone oder der Internetausfall eine Herausforderung dar. Das führt nicht zwangsweise zur Isolation, macht uns aber die Kontaktaufnahme zu unseren Freunden und Verwandten schwer. Doch wir werden aus ganz verschiedenen Gründen mit Isolation konfrontiert. Sei es, weil wir das Gesetz gebrochen haben und im Gefängnis sind. Meist ist ein Krankheitsfall die Ursache für Isolation auf einer Krankenstation, aber auch Unwetter kann uns eine bestimmte Zeit von der Außenwelt abschneiden. Selten entscheidet sich der Mensch bewusst, für soziale Isolation, aber auch das kommt vor.

Isolation durch COVID-19

Das aktuell beste Beispiel einer unerwarteten Isolation ist der Ausbruch von COVID-19, dem Coronavirus. Die Krankheit breitete sich schnell aus. Mit Glück konnte Deutschland der totalen Ausgangssperre entgehen. Dennoch herrschte lange Zeit Kontaktverbot. Viele Menschen arbeiteten von jetzt auf gleich im Homeoffice oder durften aufgrund von Kurzarbeit gar nicht ins Geschäft. Schulen und Kindergärten blieben geschlossen. Die Familie, die sich normalerweise beim Frühstück verabschiedet und sich am Ende des Arbeitstages wiedertrifft, war nun mehr oder weniger die ganze Zeit ans Haus gebunden. Nur schwer konnte man sich aus dem Weg gehen und der Alltag änderte sich komplett. Eine Eingewöhnungsphase in die neue Situation gab es nicht. Die gibt es bei sozialer Isolation selten. Besonders bei diesem Beispiel war da ein Zwiespalt. Die gesamte Zeit wurde mit den im Haushalt lebenden Menschen verbracht, zu allen anderen war der persönliche Kontakt untersagt. Nur das Internet und das Telefon halfen dabei, im Gespräch zu bleiben. Doch das ersetzte keine Umarmung, kein persönliches Gespräch, kein Beisammensein.

Die, die Erkrankten, müssen sich sogar in Quarantäne begeben. Jetzt ist nicht einmal ein Spaziergang an der frischen Luft oder der Gang zum Supermarkt möglich. Die Hilfe anderer ist unumgänglich. Hier kombiniert sich soziale Isolation mit dem Gefühl der Hilflosigkeit.

Solche Ausnahmezustände können Folgen mit sich bringen, die auf den ersten Blick nicht erkenntlich sind.

Soziale Isolation und ihre Folgen

Jeder Mensch reagiert anders auf die Situation von Isolation. Natürlich kommt es immer auf vielerlei Faktoren an. Ein Mensch im Gefängnis wird die Isolation anders wahrnehmen, als ein Mensch, der aufgrund von Unwetter an seinem Urlaubsort von der Außenwelt abgeschnitten wird. Auch die Dauer des Ausnahmezustandes spielt eine Rolle. Wer nur für wenige Stunden keinen Kontakt zu anderen hat, wird darunter nicht leiden. Wer dem über Tage, Wochen oder Monate ausgesetzt ist, hat andere Empfindungen. Auch der Charakter eines Menschen spielt eine wichtige Rolle. Es gibt Personen, die lieber für sich bleiben. Und dennoch ist es die eine Sache, sich bewusst für das Alleinsein zu entscheiden. Wenn es aber durch äußere Faktoren aufgezwungen wird, hat das andere Auswirkungen. Es entspricht nicht dem freien Willen.

Speziell im Fall Corona möchte ich auf mögliche Konflikte eingehen. Was kann der Familie im obigen Beispiel geschehen?

  • Konflikte in der Familie entstehen, da man sich auch bei Unstimmigkeiten nicht aus dem Weg gehen kann. Bei mehreren Generationen in einem Haushalt steigt das Potenzial für mögliche Konflikte.
  • Da man Sport und Hobbys nur begrenzt bis gar nicht nachgehen kann und sich bei vielen die Arbeitssituation geändert hat, steigt der Stresslevel. Bei manchen Familien führt diese Situation nach einer gewissen Zeit zu Reizbarkeit, streitsuchendem Verhalten bis hin zur Gewalt.
  • Die Menschen können Angstzustände erleiden. Existenzängste sind durchaus möglich, wenn man zu Zeiten von Hamsterkäufen darüber nachdenkt, ob man sich in Zukunft noch ausreichend versorgen kann. Vor allem die Ängste um den eigenen Job werden oft größer und sind teilweise nicht unbegründet.
  • Die Sorge um das leibliche Wohl steigt bei vielen. Sie haben Angst vor der Krankheit. Das kann sich bis in die Angst um das eigene Leben oder das Leben der Familie steigern.

Es gibt Hilfe – Sie sind nicht allein

Nicht jeder wird all diese Sorgen und Konflikte kennen und erleben, doch wenn sie auftreten und dann die Möglichkeit fehlt, sich mit jemandem auszusprechen, sich gegenseitig Trost zu spenden, dann ist das nicht gut. Angst und Stress können zu depressiven Phasen führen. Es ist wichtig, zu wissen, wie man aus dieser Lebenssituation gestärkt hervorgeht. Hilfe in Form von psychologischer Beratung kann nützlich sein.

In den folgenden Beiträgen möchte ich auf die einzelnen Konfliktpunkte genauer eingehen und zeigen, dass niemand damit allein zurechtkommen muss. Aus einer schweren Lebensphase kann man gestärkt hervorgehen. Ich möchte erklären, woher man neue Energie, Motivation und Kraft bekommt, denn in eine plötzliche Isolation kann jeder geraten.

Weiter geht’s mit:

Stressbewältigung – Soziale Isolation
Angstzustände
Familienkonflikte
Existenzangst
Ausgangsbeschränkung – Wenn Nähe zum Problem wird

 

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